Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Fürstenberg/Havel
Umbau ehemaliger SS-Garagentrakt
guss I Award 2012 - 2.Preis
BDA Brandenburg Architektur 2012 - engere Wahl
Teilnehmer: Ausgewählte Architektur in Brandenburg - Tag der Architektur




BAUBESCHREIBUNG ARCHITEKTUR



Allgemeine Beschreibung

Der ehemalige SS-Garagentrakt wurde in zwei Bauabschnitten 1940-1941 (Nordteil) und 1942-1943 (Südteil) errichtet.
Während der Südteil schon in seiner Ausführung durch die Kriegswirtschaft bedingt einfacher ausgebildet wurde (Einsparung von Zement durch z.B. gemauerten Fundamenten, einfache Nagelbinder als Dachtragwerk, teilweise Mischmauerwerk aus Bims- und Ziegelsteinen etc.), wurde der Nordteil noch mit Betonfundamenten, einem hochwertigem Dachstuhl und stärkeren Außenmauern hergestellt. Die fachgerechte Gründung und die Ausführung der Gebäude lassen auf die handwerkliche Arbeit von, wahrscheinlich, ortsansässigen Firmen schließen.
Das Gebäude wurde bis 1945 als Garagen genutzt. Kleinere Teilflächen sind jedoch durch entsprechende Umbauarbeiten als Kinosaal genutzt worden. Ab 1945 erfolgten weitere Umbauten durch die Truppen der Sowjetunion, wobei die Nutzung weitgehendst die gleiche blieb.
Größere Umbauarbeiten erfolgten, als Teile der Gebäude von den Sowjettruppen an die neu errichtete Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück abgegeben wurden.
Seit der Rückführung der GUS-Truppen und der Übertragung der Liegenschaft 1994 an die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wurde das Gebäude ausschließlich von der Gedenkstätte genutzt.
Grundlage der jetzigen Planung ist die durch den Stiftungsrat der Stiftung Brandenburgischen Gedenkstätten genehmigte Zielplanung aus dem Jahre 2003.
Diese sieht in der genehmigten Variante C für den ehem. Garagentrakt die Umnutzung des Gebäudes für die Unterbringung der Gedenkstätten-verwaltung, Archiv-, Bibliotheks-, Nutzer-, Mediathek-, Fotothek-, Veranstaltungs- und Ausstellungsräume vor.
Dabei wurde und wird ebenso berücksichtigt, dass auch die entsprechenden Neben-, Sozial- und Sanitärräume für die Mitarbeiter und Besucher der Gedenkstätte zu schaffen sind.

Alle Maßnahmen und Eingriffe in die Gestaltung des denkmalgeschützten Gebäudes werden bewusst so in Form und Material gewählt, dass erstens diese sich als neue Struktur deutlich von den bisherigen abheben und zweitens als neue „moderne“ Hinzufügungen erkennen lassen.
Gemäß der erfolgten Abstimmung vom 17.04.2008 und während eines Workshops am 22.07.2008 mit den Denkmalschutzbehörden, Stiftung, Historikern und dem Nutzer bleibt das äußere Erscheinungsbild des bestehenden Gebäudes weitgehendst erhalten (notwendige Dämmung als Innendämmung) bzw. wurde auf die historischen Öffnungen entsprechend zurückgebaut und durch die moderne Interpretation der Garagentoröffnungen mittels „structural glazing“ – Fassadenelementen und der Falttore nach dem Vorbild der historischen Funktion entsprechend gestaltet. Dabei dienen diese Tore nun auch dem Sonnenschutz bzw. als Verdunkelung bei entsprechenden Veranstaltungen.
Das Innere wurde daher gemäß den heutigen Anforderungen unter Beibehaltung der historischen Raumhöhen komplett neu gestaltet.
Aufgrund des einheitlichen Farbkonzeptes wurden die Innenräume wie folgt gestaltet:
Wände, Decken, Schalterprogramm, Sanitärobjekte etc. in RAL 9010,
sämtl. Holzelemente wie Türen in Eichefournier und Tore in Sibirischer Lärche,
sämtl. Beschläge in Edelstahl gebürstet.
sämtl. Metallteile wie Türzargen, P/R- und Fensterkonstruktionen, sichtbare Stahlkonstruktionen zur Gebäudeaussteifung, Beleuchtungssysteme, Rollregal-anlagen, Lüftungsrohre, Stahl U-Profile als Fußleisten etc.  in der Farbe DB 703.

Dementsprechend wurde auch die gesamte Fußbodenfläche, über 1.000,00 m², mit Ausnahme der WC-Räume, mit einem geschliffenen Gußasphalt versehen, der aufgrund einer besonderen und in enger Zusammenarbeit mit der Firma Deutag erarbeiteten Mineralstoffkombination aus mehreren Mustern ausgewählt wurde, damit dieser sowohl in den Bürobereichen als auch in den Archiven und in dem Veranstaltungs- und Ausstellungsbereich repräsentativ und doch so zurückhaltend wie für diese Bauaufgabe notwendig und angemessen ist.
Fast 90% besteht dabei aus Heizestrich, der zudem ein Unterflursystem mit Fußbodenauslässen für die Elektro- und Datenversorgung beinhaltet. Dabei wurden die Edelstahl Fußbodentanks ebenso mit geschliffenem Gußasphalt gestaltet. Sämtliche Über- und Eingänge (Sauberlaufmatten) drinnen und nach außen sind ebenerdig und damit auch behindertengerecht.





Berlin, den 01.01.2012
Dürr Gesellschaft von Architekten für
Planung, Projekt- u. Kostenmanagement mbH


Innenansicht Süd


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Innenansicht Nord


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Außenfassade


  • Bauphase
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  • Endzustand
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